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Der Tiefe Georg Stollen
Eines der großen Probleme des Oberharzer Bergbaues war das Wasser, das in die Gruben einsickerte. Es behinderte oder verhinderte den Abbau der Erze.
Mundloch Tiefer Georg StollenKunstradstube am Knesebeck-Schacht in Bad Grund, Reddewig 1859
Deshalb wurde auf jedem Gangzug, auf dem Bergbau betrieben wurde, mindestens ein Wasserlösungsstollen angelegt, damit das eingesickerte Wasser frei ausfließen konnte.
Solange kein Stollen dieser Art vorhanden war oder wenn die Bergbauschächte unter dessen Niveau abgesenkt wurden, mußte das Sickerwasser herausgepumpt werden.
Zu diesem Zweck wurden umfangreiche Teich-, Graben- und Stollensysteme angelegt, um mit Hilfe von Wasserrädern Pumpen anzutreiben (Wasser durch Wasser heben).
Abteufen Nachdem die örtlichen Mög­lich­kei­ten der Wassererschließung nach Markscheidetafel mit Nameskürzeln. Foto: Michael Pfefferkorn, Halledem damaligen Stande der Technik auf dem Oberharz er­schöpft waren und auch die Fern­was­ser­ver­sor­gung über das Dammgra­ben- Sys­tem keine Lösung des weiter wach­sen­den Ener­gie­be­darfes versprach, beschloß man, durch tiefe Was­ser­lö­sungs­stol­len, die vom Harzrand aus vor­ge­trie­ben wurden, den Energie-, d.h. den Was­ser­be­darf trotz des sich weiter ausdehnenden Bergbaues zu re­du­zieren. Der Stolleneingang ist das Mundloch des Tiefen Georg Stollens.
Er wurde von 1777 bis1799 aufgefahren, um das Entwässerungsniveau für die Gruben um Clausthal und Zellerfeld um rd. 100 m zu senken. Deren eingesickertes Wasser brauchte nun rd. 100 m weniger hochgepumpt zu werden, wodurch Energie, d.h. Antriebswasser, gespart werden konnte. Der Stollen ist einschließlich der Flügelörter 26 km lang.
Tafel zum Besuch von Prinz Friedrich von England. Foto: Michael Pfefferkorn, HalleAm 15. Juni 1781 weilte Prinz Friedrich von England, Fürst-Bischof zu Osnabrück und späterer Herzog von York, in der Bergstadt. Er besichtigte den Bau des „Tiefen - Georg - Stollens“. Am Stollenende bohrte der Prinz wie ein Bergmann ein Loch in das Gestein. Dieses Bohrloch ist später zum Andenken aus dem Gestein herausgehauen und als Gedenkstein im Stollen eingemauert worden.
Bild links: Anlässlich dieses Besuches findet sich im Mundlochbereich des Tiefen Georg Stollens die abgebildete Erinnerungstafel.*) Der letzte Teil ist beschädigt bzw. nicht sichtbar. Der schwer lesbare Text lautet:
IHRO KÖNIGL. HOHEIT
DER PRINZ FRIEDRICH VON ENGLAND
PRINZ BISCHOF ZU OSNABRÜCK
GERUHETEN IN HOHER PERSON
DEN TIEFEN GEORG S(TOLLEN) ZU BEFAHR(EN)
DEN 15TEN JUNIU(S 1781)
(GLÜCK AUF)
Klick große Abbildung TIEFER GEORG-STOLLEN.
ANGEFANGEN D. 26. JUL. 1777
Der Stolleneingang heute und damals

Foto: Michael Pfefferkorn, HalleAm 16. Juni 1524 gab Herzog Heinrich der Jüngere die erste Bergordnung für Grund heraus. Danach stand es nun jedermann frei, am Iberge auf Eisenstein zu bauen und neue Gruben anzulegen. Es war dem Bergamte nur Meldung zu erstatten. Von der Ausbeute musste der zehnte Teil abgegeben werden. Am 5. September 1799 gelang endlich der so sehnlichst gewünschte letzte Durchschlag des „Tiefen-Georg-Stollens“. Er wurde durch den lauten Donner von Kanonen verkündet. Der Stollen war nach nur 22 Jahren Bauzeit fertiggestellt worden. Der „Tiefe-Georg-Stollen“ war für den gesamten Harz ein bedeutender Schritt im Bergbau. Am 15. September 1799 fand die feierliche Einweihung des „Tiefen-Georg-Stollens“ statt. Die Zahl der Zuschauer, belief sich auf rund 6000. Sie setzte sich aus den Einheimischen, sowie zum großen Teil aus Bergleuten, die mit ihren Familien aus den umliegenden Bergstädten angereist waren, zusammen. Das Ereignis war für den gesamten Harz dermaßen von Bedeutung, dass zur Feier des Tages die Kirchenglocken geläutet und Kanonen abgefeuert wurden.
Foto Mundloch Tiefer Georg Stollen mit freundlicher Genehmigung von Georg Hoff www.zackenschaf.de

*)Im Ernst-August-Stollen findet sich eine weitere Tafel "Anfang am 1ten April 1871", die den Ort und den Zeitpunkt des Beginns der Auffahrung des Lautenthaler Flügelorts angibt.
Grundriß des Tiefen Georg Stollens
Die Unesco hat die Harzer Wasserwirtschaft zum Weltkulturerbe erklärt